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Träumen wir gemeinsam

Erschienen im Einsiedler Anzeiger am 12. September 2014

Abt Urban lädt zur Grossen Engelweihe am 13./14. September ein.

«Träume sind Schäume», sagt der Volksmund – er wird in Einsiedeln eines Besseren belehrt. Der hl. Meinrad hatte im 9. Jahrhundert einen Traum von Leben und Glück und er lebte ihn. Und wir sprechen heute noch davon. Warum? Sein Traum wurde nach seinem Tod von einigen Einsiedlern um seine Kapelle herum weitergeträumt. So wurde diese Kapelle als Kapelle der Einsiedler bekannt und gab einer ganzen Region den Namen: Einsiedeln. Träume finden dort eine Erfüllung, wo sie zusammen geträumt werden.

Die Einsiedlerinnen und Einsiedler möchte ich dazu einladen, den Traum der Engelweihe mit dem Kloster zusammen am 14. September und darüber hinaus weiterzuträumen. Denn bei diesem Fest steht am Anfang ebenfalls ein Traum: Bischof Konrad träumte am 13. September 948 in einer Vision, in dieser Kapelle der Einsiedler sei Jesus Christus selbst unmittelbar gegenwärtig. Wie staunte er am nächsten Morgen, als dieser Traum sich nicht in Luft auflöste! Am 14. September wurde allen Anwesenden klar: Diese Kapelle ist ein besonderer Ort, hier wird uns die Begegnung mit Gott, Gnade, geschenkt – und so feiern wir noch heute diesen Traum der Gnadenkapelle.

Wenn Träume Schäume sind, dann ist Einsiedeln kein besonderer Ort, dann fruchten unsere Bemühungen wenig, diesen Ort besser zu vermarkten: dann wird der Schnee fehlen, wenn wir allein auf Skitourismus setzen, der Nebel steigen, wenn unsere Region einzig als Wandergebiet gepriesen wird, der Mietpreise zu hoch, wenn wir unsere Wohnqualität rühmen. Bis in die USA hinein bekannt ist dafür die Seele dieses Einsiedler Traums: die Kapelle der Madonna – ihr wurde dieser Ort am 14. September 948 geweiht. Und im deutschen Sprachraum nennen die Menschen diesen speziellen Ort genereller das «Klosterdorf Einsiedeln». Kloster, weil sich darin die Gnadenkapelle befindet. Dorf, weil das Kloster ohne Dorf nicht Einsiedeln ist. Unser Ort ist speziell, darum feiern wir Engelweihe. Wir feiern, damit der Traum von Einsiedeln nicht zu Schaum wird.

Es gibt verschiedene Zugänge zu unserem speziellen Ort: viele kommen zur Madonna, andere zur Kapelle in der Kirche, wieder andere bewundern den Barock, viele die Klosterfassade, wie sie sich zum Dorf hin öffnet, einigen Menschen ist unser spezieller Ort von der Postkarte her bekannt, aus dem Internet oder vom Bier. Bei all diesen Zugängen bleibt die Einheit: Dorf und Kloster, eben das Klosterdorf.

Können Träume vermarktet werden? Die Einsiedler Mönche taten es über Jahrhunderte hinweg und dies mit unterschiedlich guten Mitteln, damit die Pilgerströme nicht ausbleiben oder wiederkommen. Auch dieses Jahr haben sich Menschen im Kloster und im Dorf zusammengetan, um dem Traum der Engelweihe Gehör zu verschaffen: auf einer Homepage (www.engelweihe.ch), auf Facebook, in Schulen und Vereinen. Ihnen allen gilt mein aufrichtiger Dank! Nein, so sind Träume keine Schäume, weil sie gemeinsam geträumt werden.

Ich lade Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ein, mit uns zusammen am nächsten Sonntag die Engelweihe zu feiern. Und sollten Sie selbst am Sonntagabend bei der grossen Prozession, wenn das Dorf ins Kloster kommt und das Kloster ins Dorf, nicht dabei sein: Gerne träume ich mit Ihnen auch danach den Traum von Einsiedeln weiter.

Abt Urban Federer

Foto: Anton Scheiwiller