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Im Angesicht der Engel will ich dir singen

Erschienen im Einsiedler Anzeiger am 8. August 2014

Die Gottesdienste an Engelweihe

"In conspectu angelorum psallam tibi" – im Angesicht der Engel singe ich dir Psalmen (Ps 47,8). Diesen Psalmvers zitiert der heilige Benedikt in seiner Regel im 19. Kapitel. Dort geht es um die Frage, wie man sich beim gemeinsamen Psalmensingen, beziehungsweise im gemeinsamen Gottesdienst verhalten soll. Benedikt will erreichen, dass dieses Verhalten ganz besonders vom Bewusstsein geprägt ist, dass wir mit und vor den Engeln Gottes beten und singen, wenn wir uns als Kirche zum gemeinsamen, öffentlichen Gebet versammeln. Im Fachjargon nennt man diese öffentliche Form des Gebets Liturgie. Benedikt will uns daran erinnern, dass die Liturgie ein verlässlicher Ort der Gottesbegegnung ist.

Die Liturgie müssen wir nicht "machen"; sie ist uns vorgegeben und geschenkt. Wir dürfen in sie ein- und so eben vor Gott treten. Den Alltag mit seinen Sorgen dürfen wir getrost mal draussen lassen. Gott selbst will mit seinem Wort zu uns sprechen. Die besondere Feierlichkeit der Liturgie gerade an Engelweihe mit der schön geschmückten Gnadenkapelle und den unzähligen brennenden Kerzen mag uns diesen Umstand vielleicht noch etwas zugänglicher machen.

An Engelweihe gibt es verschiedene Möglichkeiten, in diesen Raum des Gebets einzutreten. Dazu gehören die beiden feierlichen Vespern am Vorabend und am Tag des Festes. Eine weitere Gelegenheit bietet das Engelweihamt am Vorabend, dem Abt Urban vorstehen wird, und das wir gemeinsam mit der Pfarrei feiern werden. Der Hauptzelebrant und der Diakon tragen dabei den feierlichen Engelweih-Ornat, welcher laut einer Notiz im Jahr 1685 und damit unter Abt Augustin II. Reding von Biberegg (1620-1692) angeschafft wurde. Im Anschluss an die Messe ziehen wir in Prozession zur Gnadenkapelle. Dort erklingt die Antiphon Salvator mundi: "Erlöser der Welt, heile uns, der du uns durch Kreuz und Blut erlöst hast. Unser Gott, wir bitten dich, uns zu helfen." Damit erinnert uns die Liturgie nicht zuletzt auch daran, dass die Gnadenkapelle ursprünglich eine Salvator-, eine Erlöser-Kapelle war, bevor sie später dann der Mutter Gottes geweiht wurde. Am Schluss werden alle Anwesenden mit dem heiligen Kreuz gesegnet.

Der Raum der Liturgie öffnet sich auch am Festtag. Das feierliche Amt am Vormittag erhält von zwei Seiten her eine besondere Note: Zum einen durch den Zelebranten, zum anderen durch Chor und Orchester, die eigens für dieses Fest ein neues Werk einstudiert haben. Als Zelebrant konnte der neue Weihbischof des Bistums Freiburg-Lausanne-Genf, Alain de Raemy, ehemaliger Kaplan der Päpstlichen Schweizergarde in Rom, gewonnen werden, der in der Predigt sein Wort an uns richten wird. Beim neu einstudierten Werk, das Chor und Orchester zum erklingen bringen, handelt es sich um die "Missa in tempore belli" von Joseph Haydn. Besser bekannt ist diese Messe unter dem Titel "Paukenmesse", den sie wegen den Paukenschlägen im "Agnus Dei" erhielt. Kriegerische Paukenschläge mit der gleichzeitigen Bitte um Frieden ("Dona nobis pacem"): Das Engelweihfest wird so auch zu einem Gebet um Frieden in einer Zeit, da sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal jährt und zugleich neue grausame Kriege die Welt erschüttern.

Das Engelweihfest schliesst mit einer feierlichen Komplet, dem täglichen Abendgebet der Kirche. Dadurch dass Christus selbst in der Gestalt des Brotes in der Mitte der Feiernden gegenwärtig ist, wird hier nochmals besonders deutlich, dass er, unser Heiland und Erlöser, bei diesem Kirchweihfest im Zentrum steht. Anschliessend an die Komplet tragen wir seinen Leib, das eucharistische Brot, in einer feierlichen Prozession durch das Dorf, umgeben von Kerzenschein, und beten und singen zu seiner Ehre. Zurück in der Klosterkirche bitten wir Gott um seinen Segen für Kloster und Dorf. Danach stimmen wir mit dem Te Deum, dem "Grosser Gott, wir loben dich", in den Lobgesang ein, welcher von den beiden Orgeln mit der bekannten Toccata aus der 5. Sinfonie von Charles-Marie Widor noch fortgesetzt wird.

"In conspecu angelorum psallam tibi" – möge die Liturgie an Engelweihe unsere Herzen für die Gegenwart Gottes öffnen!

P. Daniel Emmenegger