Home

Programm

Geschichte

Impressionen

Medieninformationen

Kontakt

Von Traditionen umsäumt

Erschienen im Einsiedler Anzeiger am 25. Juli 2014

Wie so manches Fest ist auch die "Grosse Engelweihe" von vielen Traditionen begleitet. Manchen von ihnen begegnet man auch an anderen Festen, während andere längst untergegangen sind. Einige andere Traditionen bestehen aber bis heute und gehören einzigartig zur Engelweihe. Sie geben damit dem Fest seinen unverwechselbaren Charakter.

Schon am Vorabend der Engelweihe donnert es jeweils laut von der Kreuzigungsgruppe her über das Einsiedler Hochtal, wird doch mit Böllerschüssen unüberhörbar das grosse Fest angekündigt. Diese Tradition wird auch andernorts noch heute gepflegt und gehört in Einsiedeln ebenfalls an Fronleichnam und am Rosenkranzsonntag fest zum Programm. Dafür, dass diese Salutschüsse schon seit alters her Teil der Engelweihe sind, zeugen die Geschichtsbücher: 1698 etwa wurde am 13. September bereits früh morgens um zwei Uhr auf dem Etzel sechs Mal mit grobem Geschütz geschossen. Weitere sechs Schüsse aus Mörsern folgten auf dem Schnabelsberg, wonach 16 Schüsse auf dem Brüel donnerten.

Im Gegensatz zu diesen Böllerschüssen gab es früher andere Traditionen ausschliesslich am Fest der Engelweihe, wozu etwa die "Engelweihochsen" gehörten. Immer zwei von ihnen wurden jeweils vom Kloster eigens für diese Feierlichkeiten angeschafft und gemästet, um die vielen Pilger zu verköstigen oder sie zu verkaufen. Am Vortag des Festes wurden sie jeweils feierlich mit Blumen sowie Bändern geschmückt und öffentlich gewogen. Dabei kam es mehr als einmal vor, dass der Wagbaum unter dem Gewicht der Tiere brach. Schliesslich wogen die Tiere bis zu 3000 alte Pfund, also 1,4 Tonnen. Kleine Knaben führten anschliessend die Ochsen an schwarz-gelben Seidenbändern – den Farben des Klosters – auf dem Klosterplatz herum, begleitet von Trommlern und Flötenspielern. Auf dem Grösseren sass dabei ein kleiner Knabe, der in ein kleines Horn bliess. Viele Einsiedler sahen dabei die prächtigen Tiere nicht zum ersten Mal: Schon seit dem Frühling hatten sich jeweils die Leute in den klösterlichen Ochsenstall gedrängt, um sie zu begutachten.

Schliesslich gibt es Traditionen, die spezifisch zur Engelweihe gehören und bis heute lebendig geblieben sind. Dazu gehören beispielsweise die vielen Teelichter, die am Abend des 14. September in den frühherbstlichen Abend flackern und das Dorf in eine unvergessliche Atmosphäre hüllen. Zehntausende von ihnen zieren die Klosterfassade, den Klosterplatz sowie die Fenstersimse der an den Klosterplatz und die Prozessionsroute angrenzenden Häuser, um dem Allerheiligsten den Weg zu weisen. Natürlich wird auch die im Zentrum der Feierlichkeiten stehende Gnadenkapelle für dieses Fest besonders herausgeputzt. So wird sie neben den Kerzen und Blumen auch mit Wandteppichen mit Szenen aus dem Leben des heiligen Meinrad geschmückt, die nach den Vorlagen des Einsiedler Paters Bernard Flüeler von Schwestern in der Au gestickt wurden. Eine dritte zur Engelweihe gehörende Tradition geniessen die Mönche in kulinarischer Hinsicht: Seit alter Zeit werden nämlich nach der Prozession im Refektorium die sogenannten "Engelweihkrapfen" aufgetischt, ein mit Konfitüre gefülltes Blätterteiggebäck. Sind die letzten Brosamen davon vom Teller verschwunden und das letzte Teelicht in der stillen Klosterkirche erloschen, weiss man: Nun ist das einzigartige Fest der Einsiedler Engelweihe bereits wieder vorbei!

P. Thomas Fässler