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Was ist eine Kirchweihe?

Erschienen im Einsiedler Anzeiger am 18. Juli 2014

Die mittelalterliche Legende der Engelweihe erzählt die wundersame Geschichte der Weihe der Einsiedler Gnadenkapelle im Jahr 948. Es lohnt sich, einmal der Frage nachzugehen, was eine Kirchweihe eigentlich ist und welche Bedeutung sie für uns heute haben kann.

Die Weihe des Altars gehört zu jeder Kirchweihe. Im Bild die Weihe des neuen Hochaltars in der Einsiedler Klosterkirche durch Papst Johannes Paul II. am 15. Juni 1984.

Gott ist überall nahe

Als Christen glauben wir, dass Gott alles erfüllt und nichts von seiner liebenden Gegenwart ausgeschlossen ist. Weil wir uns Gott überall nahe wissen dürfen, können wir auch überall zu ihm beten. Viele Menschen suchen für ihr Gebet jedoch oft gern eine Kirche oder eine Kapelle auf. Sie spüren, dass hier ein geschützter Ort ist, wo sie zur Ruhe kommen können, wo sie sich geborgen fühlen, weil ihnen der ganze Kirchenraum von Gottes Liebe zu uns Menschen erzählt. Tatsächlich dürfen wir uns an diesen Orten Gott ganz besonders nahe wissen, denn eine Kirche ist das Haus Gottes, welches seit dem Tag ihrer Weihe von seiner besonderen Gegenwart erfüllt ist.

Kirche als Ort der Gemeinschaft

Eine Kirche ist jedoch weit mehr als ein Ort trauter Zweisamkeit zwischen Gott und einem einzelnen Beter. Eine Kirche ist ein Ort der Gemeinschaft – ein Ort, wo Menschen zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern. Die Notwendigkeit eines gemeinsamen Raumes für den Gottesdienst liess Kirchen ja überhaupt erst entstehen. Der gemeinsame Gottesdienst macht die Kirche erst wirklich zu einem Haus Gottes und zu einem Haus für die Menschen!

Kirchweihe und Engelweihe

Doch bevor die Kirche dem regulären Gottesdienst einer Gemeinde übergeben wird, wird sie vom Bischof in einem feierlichen Gottesdienst geweiht. Durch diese Weihe wird das Gebäude dem profanen Gebrauch entzogen und zum Ort für den Gottesdienst.

Während der Weiheliturgie wird der Kirchenraum mit Weihwasser besprengt und an 12 Stellen mit Chrisam (einem geweihten wohlriechenden Öl) gesalbt. Zugleich werden die verschiedenen liturgischen Orte wie Taufbecken, Ambo und Tabernakel gesegnet. Eine besondere Rolle spielt die Weihe des neuen Altares, auf welchem von nun an die Eucharistie gefeiert werden wird. Überhaupt gilt die Feier der Eucharistie als der eigentliche Weiheakt: Der Herr wird gegenwärtig unter den Gestalten von Brot und Wein und heiligt den Kirchenraum durch diese seine Gegenwart.

Die Legende der Einsiedler Engelweihe erzählt die Feier der Kirchweihe in analoger Weise. Wichtig ist die Tatsache, dass nicht der Bischof, sondern Christus persönlich die Weihe vollzogen habe. Tatsächlich aber ist jeder liturgische Akt in der Kirche ein Akt Christi. Wenn der Bischof handelt, dann handelt Christus durch ihn! So gesehen wird in der Engelweihlegende ein Sachverhalt beschrieben, der sich eigentlich auf alle Kirchen anwenden lässt: Christus selbst macht die Kirche zum Haus Gottes und erfüllt sie mit seiner Gegenwart durch die Feier der Eucharistie.

Die Kirchweihe erinnert uns Christen daran, dass unser Gott ein Gott ist, der da ist und der ein Gott der Gemeinschaft sein will. Das jährliche Gedächtnis der Kirchweihe soll darum ein Fest der Dankbarkeit sein für Gottes Nähe zu uns Menschen.

P. Philipp Steiner